IDD - Vermittlerrichtlinie

Neue Regeln durch die IDD - Vermittlerrichtlinie im Detail

Am 23. Februar 2018 ist Insurance Distribution Directive“ (IDD) in Deutschland in Kraft getreten. Ziel der IDD ist, eine europaweit einheitliche Basis für den Versicherungsvertrieb zu schaffen.

Ein zentrales Ziel der IDD ist es, Versicherungsvermittlung im bestmöglichen Interesse des Kunden zu gestalten.

In den unten stehenden Kapiteln finden Sie einige wesentliche Informationen zur Umsetzung der IDD in den vertrieblichen Alltag.

Diese kurze Darstellung wichtiger Themen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellt keien Rechtsberatung dar. Sie entbindet Vermittler nicht davon, ihren eigenen Vermittlungsprozess nach den Vorgaben von IDD zu gestalten.

 

Aus- und Weiterbildung

Seit dem 23.02.2018 sind Sie und Ihre Mitarbeiter, die unmittelbar bei der Vermittlung oder Beratung mitwirkenden Personen, verpflichtet, sich in einem Umfang von 15 Stunden je Kalenderjahr weiterzubilden.

Wir arbeiten im Bereich der Weiterbildung eng mit der Brancheninitiative "gut beraten" zusammen. Unter www.gutberaten.de finden Sie eine umfangreiche FAQ-Liste und weitere Informationen zu den Weiterbildungspflichten nach IDD. Organisieren und dokumentieren Sie Ihre Weiterbildung über "gut beraten", sind Sie auf der sicheren Seite! "gut beraten" bildet alle gesetzlichen Anforderungen ab und wird Ihnen erforderliche Weiterbildungsnachweise ausstellen. Natürlich wurde auch schon von den bekannten Weiterbildungspunkten auf die gesetzlich geforderte Weiterbildungszeit umgestellt.

Die VOLKSWOHL BUND Versicherungen sind "gut beraten" - akkreditierte Bildungsdienstleister. Sie können sich somit auch in unseren Veranstaltungen weiterbilden. Auf den Einladungen vermerken wir, wie viele Weiterbildungsminuten Ihnen für die Teilnahme auf Ihrem gut beraten Weiterbildungskonto gutgeschrieben werden.

Sie können Ihre Weiterbildung auch unabhängig von "gut beraten" vornehmen. Achten Sie dabei nur darauf, dass der Gesetzgeber gewisse Anforderungen an Weiterbildung und Weiterbildungsdienstleister stellt.

Vermeidung von Interessenkonflikten und Fehlanreizen

Der Gesetzgeber stellt das Kundeninteresse in den Mittelpunkt aller Vertriebstätigkeiten. Versicherungsunternehmen und Vermittler sind verpflichtet, stets im besten Interesse des Kunden ehrlich, redlich und professionell zu handeln.

Es müssen angemessene Maßnahmen ergriffen werden, um Interessenkonflikte zu erkennen und zu vermeiden. Ist nicht zu gewährleisten, dass eine Beeinträchtigung von Kundeninteressen unterbleibt, sind Art oder Quellen von Interessenkonflikten rechtzeitig vor Abschluss eines Versicherungsvertrags dem Kunden offenzulegen.

Zudem ist bei Vergütungs- und sonstigen Anreizsystemen darauf zu achten, dass diese nicht mit der Pflicht, im bestmöglichen Interesse der Kunden zu handeln, kollidieren. Es dürfen durch Vergütung, Verkaufsziele oder auf andere Weise keine Anreize entstehen, dem Kunden ein Produkt zu empfehlen, obwohl ein anderes, den Bedürfnissen des Kunden besser entsprechendes Produkt angeboten werden könnte.

Die VOLKSWOHL BUND Versicherungen beachten diese Grundsätze selbstverständlich in ihrem Handeln gegenüber Kunden sowie in ihren Beziehungen zu Vertriebspartnern. Da die Regelungen für Vermittler gleichermaßen gelten, prüfen auch Sie, ob Sie geeignete Vorkehrungen zur Vermeidung von Interessenkonflikten und Fehlanreizen für sich selbst, aber auch in Hinblick auf Ihre Mitarbeiter getroffen haben.

Produktfreiverfahren (POG)

Die Regelungen zum Produktfreigabeverfahren gelten seit dem 23.02.2018. Und zwar ausschließlich für Produkte, die ab diesem Datum neu konzipiert und vertrieben oder wesentlich verändert werden. Nur für diese Produkte müssen Zielmärkte definiert und Vertriebskanäle festgelegt werden. Für unveränderte Bestandsprodukte gelten die Vorgaben nicht.

Sobald wir neue Produkte konzipiert oder an bestehenden Produkten wesentliche Veränderungen vorgenommen haben, informieren wir Sie über die jeweiligen Zielmärkte und Vertriebskanäle. Sie erhalten von uns alle sachlichen Informationen zu den Produkten – so wie Sie es bisher auch von uns gewohnt sind.

Bitte achten Sie als Vertreiber von Versicherungsprodukten (so nennt der Gesetzgeber die Versicherungsvermittler) darauf, dass Sie von Ihren Produktgebern wirklich alle sachgerechten Informationen zu Neuerungen in der Produkt-Flotte vorliegen haben – insbesondere zu Zielmärkten und Vertriebskanälen. Denn diese müssen Sie dann berücksichtigen.

Geeignetheits- und Angemessenheitsprüfung

Geeignetheitsprüfung: Für Versicherungsanlageprodukte müssen Sie bei einer Beratung prüfen, ob ein Produkt für den Kunden geeignet ist und ob er es sich – auch im Hinblick auf seine persönlichen Ziele – leisten kann. Dazu hinterfragen Sie folgende Themen:

  • Anlageziele des Kunden,
  • Verlusttragfähigkeit des Kunden,
  • Risikoneigung des Kunden.

Bei der Einschätzung, ob ein Produkt zum Kunden passt, helfen Ihnen auch die Risikoindikatoren zu unseren Produkten. Sowohl im Versorgungsvorschlag, als auch in unserer Angebotssoftware – hier im Kurzergebnis – weisen wir die Risikoindikatoren der Produkte aus.

Ist ein Versicherungsanlageprodukt für einen Kunden nicht geeignet, dürfen Sie es ihm nicht empfehlen!

Angemessenheitsprüfung: Hierbei stellen Sie fest, über welche Kenntnisse und Erfahrungen der Kunde verfügt. Auf diese Weise erfahren Sie, ob der Kunden in der Lage ist, eine fundierte Entscheidung bezogen auf ein spezielles Produkt treffen zu können.

Kommen Sie zu dem Schluss, dass Ihr Kunde nicht über die notwendigen Kenntnisse und Erfahrungen verfügt, müssen Sie ihn darauf hinweisen, dass das Produkt nicht angemessen ist. Fehlen Ihnen Angaben des Kunden oder sind Angaben lückenhaft, müssen Sie den Kunden darauf hinweisen, dass Sie die Angemessenheit nicht feststellen können. In beiden Fällen spricht der Gesetzgeber von einem Warnhinweis an den Kunden.

Möchte der Kunde trotz Ihrer Hinweise zu fehlender Geeignetheit und/oder mangelnder Angemessenheit dennoch abschließen, geht das. In diesem Fall müssen Sie die Ergebnisse Ihrer Geeignetheits- und Angemessenheitsprüfung ebenso dokumentieren, wie den ausdrücklichen Wunsch des Kunden.

Dazu eignet sich das Beratungsprotokoll ideal. Wir unterstützen Sie schon jetzt mit einem universell einsetzbaren Dokument als Anhang zu Ihrem bereits bestehenden Beratungsprotokoll. Das Dokument finden Sie in unserer Angebotssoftware und in unserem Druckstückportal.

Außerdem konzipieren wir derzeit ein Tool für unser Angebotsprogramm www.vbon.de, das Sie bei der Geeignetheits- und Angemessenheitsprüfung unterstützt. Sobald dieses Tool zur Verfügung steht, informieren wir Sie.

Versicherungsanlageprodukte der VOLKSWOHL BUND Versicherungen

Hierbei sind lediglich Produkte der 3. Schicht betroffen. Folgende unserer Produkte zählen zu den Versicherungsanlageprodukten:

  • Klassische Rentenversicherung (SR)
  • Fondsgebundene Rentenversicherung (FR & FWR)
  • Klassik modern (IR)
  • Klassische Lebensversicherungen (SL2)
  • Fondsgebundene Lebensversicherung (FL)
  • Klassische Vermögensbildungsversicherungen (SVL)
  • Fondsgebundene Vermögensbildungsversicherung (FVL & FWVL)
  • Ausbildungsvorsorge "Safe Start" (TF2)

Nicht zu den Versicherungsanlageprodukten gehören:

  • Alle Nichtlebensversicherungsprodukte der Volkswohl Bund Sachversicherung und der prokundo GmbH
  • Berufsunfähigkeitsversicherungen / Erwerbsunfähigkeitsversicherung
  • Grundfähigkeitsversicherungen €xistenz
  • Plan D der Dortmunder Lebensversicherung
  • Pflegeversicherung
  • Risikoversicherung mit Kapitalleistung
  • Risikoversicherung mit konstanter Rente
  • Sofortbeginnende Rente
  • Betriebliche Altersversorgung
  • Basis-Rente
  • Riester-Rente

Neue Produktinformationsblätter

Mit der IDD bzw. durch die PRIIP-Verordnung wurden neue Produktinformationsblätter eingeführt:

  • PRIIP-KID – Basisinformationsblatt für Versicherungsanlageprodukten: in diesem mehrseitiges Informationsblatt findet der Kunde seit dem 01.01.2018 viele wichtige Informationen an einem Ort. Dazu zählt z. B. auch der Risikoindikator des Produktes. Die Basisinformationsblätter finden Sie hier: Basisinformationsblätter
  • IPID – für alle Nichtlebensversicherungsprodukte: Hierbei handelt es sich um standardisierte Produktinformationsblätter. Diese müssen dem Kunden seit dem 23.02.2018 ausgehändigt werden. Sie sollen die Vergleichbarkeit der Produkte erleichtern. So kann ein Kunde schnell sehen, ob die ihm angebotenen Produkte wirklich den Versicherungsschutz umfassen, den er sich vorgestellt hat.
  • IPID – für Lebensversicherungsprodukte, die keine Versicherungsanlageprodukte sind: Hierbei handelt es sich um dynamische Produktinformationsblätter. Diese müssen dem Kunden seit dem 01.01.2019 ausgehändigt werden. Sie sollen die Vergleichbarkeit der Produkte erleichtern.

Die neuen Informationsblätter zu den jeweiligen Produkten müssen dem Kunden vor Vertragsabschluss ausgehändigt werden. Bei allen Produkten der VOLKSWOHL BUND Versicherungen finden Sie sie im Versorgungsvorschlag.

Ausgenommen hiervon bleibt die bAV. Riester- und Basisprodukte unterliegen den hierfür einschlägigen Gesetzen: seit dem 1.1.2017 gibt es für dieses Produkte wiederum eigene Produktinformationsblätter.

Sondervergütungs- und Provisionsabgabeverbot

Versicherungsnehmern, versicherten Personen und Bezugsberechtigten aus einem Versicherungsvertrag dürfen keine Sondervergütungen gewährt oder versprochen werden.

Als Sondervergütung gilt jede unmittelbare oder mittelbare Zuwendung über den Versicherungsvertrag hinaus.

Dazu gehören insbesondere:

  • Provisionsabgabe (ganz oder teilweise)
  • Sach- und Dienstleistungen, die nicht Versicherungsleistungen betreffen
  • Rabatte auf Waren oder Dienstleistungen.

Zulässig sind geringwertige Belohnungen oder Geschenke für Anbahnung oder Abschluss. Als geringwertig gilt ein Gesamtwert von bis zu 15 € pro Versicherungsverhältnis und Kalenderjahr.

Ausdrücklich ausgeschlossen hiervon ist die Gewährung von Provisionen an Versicherungsnehmer, die gleichzeitig Vermittler des betreffenden Versicherungsunternehmens sind. Diese Ausnahme gilt nicht, wenn das Vermittlungsverhältnis nur begründet wurde, um derartige Zuwendungen zu ermöglichen.

Vorbereitung auf weitere Regelungen

Im Laufe des Jahres erwartet die Branche die Veränderung von zwei weiteren Verordnungen. Derzeit liegen hierzu erste Entwürfe vor. Es handelt sich um die
  • Verordnung über die Versicherungsvermittlung und -beratung (Versicherungsvermittlungsverordnung - VersVermV)

Vorgesehen sind u. a. Veränderungen in den Bereichen der Erstinformationen, des Beschwerdesystems und der Produktvertriebsregeln.

Über für Sie relevante Änderungen von Gesetzen halten wir Sie auch weiterhin auf dem Laufenden.

Links:

Checkliste für Vermittler:
Link

Tool zur Ermittlung von Chance-Risiko-Profilierung:
Link

IDD Richtlinie über den Versicherungsvertrieb - (EU) 2016/97
Link

Delegierte Verordnung »Informationspflichten und Wohlverhaltensregeln«
Link

Delegierte Verordnung »Aufsichts- und Lenkungsanforderungen« (POG)
Link

Durchführungsverordnung Informationsblatt Versicherungsprodukte (IPID)
Link

IDD-Umsetzungsgesetz inkl. Änderungen an VAG, VVG, GewO
Link

Versicherungsvermittlungsverordnung (VersVermV)
Link zum Referentenentwurf

Informationspflichtenverordnung (VVG-InfoV)
Link

FAQ des GDV zur Umsetzung der IDD (Stand Juli 2017)
Link